Das Fach Literatur

 
„Der Mensch ist ganz Mensch da, wo er spielt mit dem Schönen" (Schiller).

Um diesen spielerischen Ernst und um ein wesentliches Bemühen, nämlich ganz und gar Mensch zu sein - und nicht an eine technologische Apparategesellschaft verloren zu gehen - geht es besonders im 21. Jhd. in den künstlerischen Fächern, also auch im Fach Literatur (als Werkstatt).

In der Auseinandersetzung mit literarischen Figuren erkennen Schüler, wie sie als Mensch gemeint sind oder sein könnten, wie ihr Leben glücken, aber auch missglücken könnte. Große literarische Figuren sind überzeitlich. In ihnen hält die Zeit den Atem an und ihr Schicksal geht uns über Jahrhunderte hin an, wie das der ewig Liebenden in „Romeo und Julia", des mutigen Rebellen in „Die Räuber", des am Leben Verzweifelten in „Faust" oder des selbstlosen Freundes in „Cyrano de Bergerac".

Die darstellende Leistung im Fach Literatur verlangt nun von den Schülern natürlich kein professionell-perfektes Theaterspiel, sondern eine kreative, eigenständige Auseinandersetzung mit dem Stück und dessen Figuren, d.h. mit Lebenssituationen und Lebensgeschichten.  Angeleitet wird das Spiel durch die Vermittlung verstehender Textinterpretation und schauspielerischer Grundtechniken in Sprache und Ausdruck. Dabei allerdings gibt es in keinem Fall ein mathematisches  Richtig oder Falsch, „denn die Kunst ist eine Tochter der Freiheit" (Schiller).

Das gemeinsame Bühnenspiel ist ein künstlerisches Miteinander, das in einem wechselseitigen Geben von Freiheit und Akzeptanz besteht: Der Schüler darf seine Grenzen überschreiten und peinlich, eitel, mutig, feige, komisch, angeberisch, verzagt und sentimental sein. Er darf in einer „fremden Sprache" sprechen und ein Anderer sein. Dabei hat er den Schutz der Rolle und hinter der Maske erkennt er sich selbst und andere. Im schulischen Rahmen vor Gleichaltrigen spielerisch  über sich hinauszugehen erfordert Mut, Anstrengung und Ausdauer. Nach konzentrierter Probenzeit vor einem Publikum im Scheinwerferlicht zu stehen und an nur einem Abend „auf den Punkt und ohne Patzer" zu spielen umso mehr. Darin besteht eine zentrale Leistung im Fach Literatur.

Allerdings, nicht nur die Schüler, die im Rampenlicht stehen, sind Hauptakteure einer gelungenen Theateraufführung, sondern auch die, die für dieses Licht und den Ton, das Bühnenbild, die Kostüme und die Requisiten verantwortlich sind. Das sind ganz wesentliche Aufgaben, denn niemanden rührt eine sterbende Julia, die in grellstem Licht zu falscher Musik und im aufgeplatzten  Kostüm ihr Giftfläschchen nicht findet. Schlecht in Szene gesetzt wird jede Aufführung ein Desaster!

Ein gelungener Theaterabend hängt also manchmal an einem kleinen Requisit in richtiger Beleuchtung...und folglich entfaltet sich der Zauber einer Geschichte erst im stimmigen Miteinander von technischen, organisatorischen, gestalterischen und darstellenden Leistungen. Erst wenn dieses kreative Miteinander gelingt, dann wird das Spiel schön!

 Schulinterner Lehrplan Literatur SII