Mein Jahr in Ecuador



 

3:30 Uhr mitten in der Nacht klingelt mein Wecker. Der Tag nach dem langen Warten ist da. Ich fliege für ein Jahr nach Ecuador! Was für ein Gefühl, 10 Monate auf sich alleine gestellt zu sein und ein anderes Leben zu führen, in einem anderen Land, einer anderen Stadt, einer anderen Schule und ganz besonders, in einer anderen Familie!

Meine erste Gastfamilie bestand aus den Gasteltern und zwei Gastgeschwistern. Diese Familie habe ich jedoch nach 7 Monaten gewechselt, da es zu nicht lösbaren Problemen kam. Ein Familienwechsel ist eigentlich nicht so schlimm, wie man es sich vorstellt. Für mich war es die beste Lösung denn ab da habe ich bei einer sehr guten Schulfreundin und deren Familie gelebt.

Die Schule war nicht sonderlich anspruchsvoll, obwohl ich die letzte Jahrgangsstufe besucht habe, ist es in Ecuador immer noch einfacher als in Deutschland. Ich konnte mich vor Ort entscheiden, ob ich lieber eine Privatschule oder eine öffentlich Schule besuchen wollte und habe mich dann auf Wunsch von meiner Gastfamilie dazu entschieden, eine Privatschule zu besuchen. Der Lernunterschied zu den öffentlichen Schulen ist dort sehr groß, da man auf den Privatschulen einen sehr viel besseren Unterricht bekommt. Der Anschluss zu Mitschülern ist mir nicht schwer gefallen, da sie sehr offene und lebensfreudige Menschen sind. Nach einiger Zeit ist mir aber aufgefallen, dass die Freundschaften zum Teil viel oberflächlicher als in Deutschland sind.

Nach der Schule habe ich mich mit Freunden getroffen oder bin beim Leichtathletiktraining gewesen. Mit meinen Freunden habe ich genau die gleichen Sachen unternommen und gemacht, wie ich es auch mit deutschen Freunden machen würde.

Die Wochenenden habe ich überwiegend mit der Familie verbracht, weil das Familienleben in Ecuador an 1. Stelle steht. Wir haben zu Hause gespielt, andere Städte besucht oder sind alle zusammen ins Kino gegangen. Meine Gastmutter hat nicht gearbeitet, also hat sie uns immer von der Schule abgeholt und anschließend gab es ein gemeinsames Mittagessen, wo täglich neben Reis auch Fleisch auf dem Programm stand.

Ecuador selber ist ein sehr vielseitiges Land, welches ich auf 2 Reisen besser kennenlernen konnte.

Im November ging es für mich 4 Tage ins Amazonasgebiet. Dort erlebte ich Natur pur, von Krokodilen über Affen bis hin zum riesigen  Amazonasfluss. Ich lernte das Leben einer "Urwaldfamilie" kennen, was sehr überwältigend war. Ich persönlich kann mir nicht vorstellen so zu leben.

Anfang April ging es dann auf die berühmten Galápagos-Inseln. Sie sind für mich ein Paradies auf Erden. Ich bin mit Haien, Seelöwen und Schildkröten geschnorchelt  und erlebte einfach eine Menge Abendteuer. Ein Urlaub, der für mich nie hätte zu Ende gehen sollen.

Mit dieser letzten Reise ging es auch schon auf das schwere Ende zu, bei dem ich mich von allen, die ich lieb gewonnen habe, verabschieden musste. Das fiel mir sehr schwer. Ich weis, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe nach Ecuador zu gehen, da dieses Land viele unterschiedliche Dinge bietet, die ich woanders nie erlebt hätte.

Ich kann nur sagen, dass es die bislang beste Erfahrung meines Lebens ist. Auch, wenn es nicht immer leicht war, habe ich die Zeit so gut wie möglich genossen und eine zweite Heimat gefunden.  

Katharina Kurz