Medienentwicklung und Medienerziehung

1. Die informationstechnologische Herausforderung

Computer und die mit ihm verbundenen Programme haben die Arbeit in den Büros sowie die Produktionstechnik in vielen Branchen verändert und gehören zum Standardwerkzeug in vielen Berufen. Neue Speichermedien sind durch die Integration von Text, Sprache, Bild und Ton in der Lage, vielfältige Zugriffsmöglichkeiten zu Informationen zu ermöglichen. Das Internet ist ein weltumspannendes Netz für Informationen geworden, das für jeden Computer-Nutzer erreichbar geworden ist. Damit ist eine in der Geschichte nicht gekannte Informationsfülle erschließbar.

Auch wenn die Euphorie inzwischen einer begründeten Sachlichkeit bis hin zur skeptischen Betrachtung gewichen ist, so haben sich doch in den letzten Jahren eine Vielzahl neuer Anwendungen, Berufe und Märkte entwickelt. Auch klassische Berufsbilder wurden durch den Einzug der Neuen Medien einer erheblichen Veränderung unterworfen.

Für das Bildungswesen sind inzwischen zwei Erkenntnisse wichtig:
1. Der Computer ist ein Handwerkszeug, das in nahezu jeder beruflichen Umgebung genutzt wird; insofern gehören Computer-Kenntnisse zu den Basis-Qualifikationen.
2. Es stehen mehr Informationsquellen als je zuvor zur Verfügung. Der Informationsüberfluss und Informationsmüll im Internet machen eine Beurteilung der Informationen notwendig. Insofern müssen auch die Lehrerinnen und Lehrer ihre Medienkompetenz entwickeln. Aber ohne die entsprechende Infrastruktur in den Schulen, vom Lehrerzimmer bis zum Klassenraum, werden sie dies nicht können.


2. Die pädagogische Herausforderung


Die neuen Medien eröffnen vielfältige Möglichkeiten der Informationsbeschaffung, der Wissenserarbeitung sowie der Präsentation; sie konkurrieren mit den alten Medien (Tafel, Arbeitsblatt, Buch, Karte, Dia, Film, Video, Fernsehen), verdrängen sie aber nicht. Bildungspolitisches Ziel ist es, die neuen wie die alten Medien in den Unterrichtsalltag aller Schulfächer zu integrieren.
In den Sekundarstufen I und II müssen alle Schülerinnen und Schüler Erfahrungen mit den Neuen Medien machen. Ausbildungsbetriebe setzen zunehmend Kenntnisse in der Textverarbeitung und Tabellenkalkulation voraus. Mit dem Computer angefertigte Bewerbungsschreiben sind inzwischen eine Selbstverständlichkeit. Studierfähigkeit beinhaltet ebenfalls als Basiskompetenz den Umgang und die selbstständige Nutzung der neuen Medien. Im Internet sollen die Funktionen Email sowie Suchen und Recherchieren geübt werden. An Beispielen aus ihrer Lebens- und Alltagswelt lernen die Schüler die Möglichkeiten und die Gefahren des Internet kennen.

Auf der Handlungsebene müssen alle Schüler die Grundfunktionen eines Computers sowie der sog. Office-Programme beherrschen.

Handlungsfeld Fertigkeit

1. Computertechnik Kennenlernen der Arbeitsweise und der Komponenten eines PC
2. Computer als Office-Werkzeug Zeichnen, Schreiben, Präsentieren und Kalkulieren; Erstellen von Dokumenten, Präsentationen und Datenbanken
3. Präsentation und Diskussion von Arbeitsergebnissen Erwerben von kommunikativer Kompetenz;
Darstellen von Ergebnissen
4. Computer als Produktionswerkzeug Bearbeiten von Bildern, Tönen und Musik
5. Internet als Informationsmedium Informieren, Recherchieren;
Kaufen, Verkaufen, Bezahlen;
Homepage-Erstellung;
Dokumente bearbeiten und austauschen;
6. Internet als Kommunikationsmedium Erlernen von Kommunikationsalternativen;
Nutzung neuer Medien zur Interaktion und Erlernen der Differenzierung zwischen virtuell und real (Schutz der Persönlichkeit vor Belästigung, Übergriffen etc.);
Projekte managen
7. Lernen durch Simulation Verstehen und Begreifen (komplexer) naturwissenschaftlicher, technischer und gesellschaftlicher Zusammenhänge
8. Selbstlernen durch Lernprogramme Lernen durch Training;
Verstehen und Begreifen naturwissenschaftlicher, technischer und gesellschaftlicher Zusammenhänge


3. Ziele unserer Medienentwicklungsplanung

Die Vernetzung der Alexander-Coppel-Gesamtschule wurde mittlerweile so weit vorangetrieben, dass alle Computerräume, Klassenräume, Fachräume, Vorbereitungs- und Arbeitsräume vernetzt sind. Zusätzliche Funkvernetzung wurde darüber hinaus nur im Einzelfall eingesetzt (Mediothek, Mensa, Pädagogisches Zentrum). Neben dem Vernetzungsgrad ist das Verhältnis PC:Schüler eine quantitative Größe. Es dokumentiert jedoch nur das Nutzungspotential und nicht die tatsächliche Integration der Neuen Medien in den allgemeinen Unterricht. Das Alter der Geräte sollte 7 Jahre nicht überschreiten.

Eine besondere Herausforderung stellt die Aufgabe der zunehmenden Umsetzung von Eigenarbeit und selbstständigem Lernen bis hin zu Selbstlernprozessen an entsprechenden E-Learning-Programmen dar, z.B. das in Nordrhein-Westfalen eingeführte Projekt SeLGO, an dem unsere Schule teilnahm. Schülerinnen und Schüler in der Sekundarstufe II müssen zunehmend Projekte realisieren, bei denen die Neuen Medien über die Informationsbeschaffung hinaus vor allem als Produktionswerkzeuge benutzt werden. Dies führt zu einer Forderung nach Räumlichkeiten, die für die freie Arbeit der Schülerinnen und Schüler genutzt werden können. Daraus ergeben sich zusätzliche Ausstattungsbedarfe:
- Die vorhandene Schüler-Bibliothek/Mediothek soll zu einem Selbstlernzentrum ausgebaut werden.
- Ergänzend soll neben dem Oberstufenaufenthaltsraum ein Bereich im Pädagogischen Zentrum eingerichtet werden; dieser könnte auch für die nicht auf den Unterricht bezogenen Kommunikationsbedürfnisse wie Chats, Mails und SMS genutzt werden.
- Darüber hinaus sollte in der Sekundarstufe II der naturwissenschaftliche Unterricht so gestaltet werden können, dass sowohl moderne Simulations-Software als auch die Angebote des in- und ausländischen „Bildungsfernsehens“ genutzt werden können. Diese Forderung führte zu einer Ausstattung aller Fach- und Unterrichtsräume mit internetfähigen PCs sowie den dazugehörigen Präsentationstechniken (Beamer). Im musisch-künstlerischen Bereich wird der Computer vor allem als Produktionswerkzeug in der Bild- und Tonbearbeitung benutzt. Er soll damit gleichberechtigt neben die bisher bekannten und im Unterricht benutzten Produktionsmittel treten.

Multimediales Lernen mit Medienserver

Der in das Schulnetzwerk (Intranet) eingebundene Medienserver berücksichtigt die Formate Daten, Text, Bild und Video. Die Medien sind für Schüler und Lehrkräfte auf einer speziellen Oberfläche auswählbar und im Unterricht über Bildschirm oder Beamer abrufbar. Neben Lernvideos und Mitschnitten von Schulsendungen sind auch eigene Inhalte (z.B Fotos und Filmsequenzen von naturwissenschaftlichen Versuchsaufbauten) verfügbar.

Selbstlern-Zentrum

In der zum Selbstlern-Zentrum erweiterten Mediothek haben die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, auch außerhalb des Unterrichts selbstständig und in eigener Verantwortung an Rechnern z.B. für die Erstellung von Referaten, Präsentationen, Hausarbeiten, Facharbeiten und die Teilnahme an Projekten zu arbeiten. Entsprechende Software ermöglicht ihnen, ihre im Unterricht erworbenen Fähigkeiten und Fertigkeiten mit Hilfe von Übungssoftware zu vertiefen. Das Internet steht ihnen zur Recherche und Ergänzung der aus dem Unterricht erworbenen Kenntnisse zur Verfügung. Die zur Verfügung gestellten Rechner sollen so ausgestattet werden, dass über die Verwendung von Standardsoftware hinaus auch Möglichkeiten der Bild-, Video und Tonbearbeitung zur Verfügung stehen.
Das Selbstlernzentrum kann auch der Förderung sowohl lernschwächerer als auch besonders leistungsfähiger Schülerinnen und Schülern dienen. Es ist auch der Ort der Arbeit an Projekten, wenn die Computerfachräume nicht zur Verfügung stehen.

SeLGO

Das Projekt SeLGO hat die in den Richtlinien der gymnasialen Oberstufe gestellte Forderung nach selbstständigem Lernen mit der Erkenntnis der hohen Bedeutung der Kompetenz bezüglich der umfassenden und kritischen Nutzung der Neuen Medien verbunden. Im Rahmen des Projekts wurden Konzepte und Modelle zur systematischen Integration von Phasen selbstständigen Lernens mit digitalen Medien in schulische Lernprozesse und Bildungskonzepte erprobt. Unsere Schule war eine von 170 Schulen in NRW, die an diesem Projekt teilnahmen.


4. Informationstechnologische Konzeption

Die Integration von Computern in den allgemeinen Unterricht erfolgt stufenweise und geht über spezielle Computerfachräume hinaus bis hin zum Einsatz in einzelnen Klassenräumen mit fest installierten Beamern, Leinwänden und Lautsprechern.

Unsere IT-Konzeption orientiert sich an:

- den Erlassen des Schulministeriums zur Integration der Neuen Medien in alle Unterrichtsfächer,
- der didaktisch-methodischen Diskussion zum Medieneinsatz in den jeweiligen Unterrichtsfächern,
- der Finanzierbarkeit unserer Ausstattungswünsche im Hinblick auf die vom Schulträger geplante Grundausstattung,
- Kosten senkenden Möglichkeiten bei der Beschaffung und beim Betrieb unseres schulischen Netzwerks,
- Standardisierungen, da durch die gleichartige Bauweise gewährleistet ist, dass Wiederherstellungsarbeiten (Clonen) zeitsparender realisiert werden können,
- Sicherungsmaßnahmen mittels Konfigurations- und Virenschutz, die einen effektiven Schutz vor Manipulationen am System bieten und somit den Wartungsaufwand erheblich verringern,
- Bestandsdokumentationen als Grundvoraussetzung für die Entwicklung von Wartungs- und Supportkonzepten bis hin zu regelmäßigen Aufzeichnungen der Vorfälle sowie der daraufhin unternommenen Schritte,
- einer unternehmensüblichen Benutzerverwaltung mit eigenen Benutzerkonten für alle Schüler und Lehrkräfte, was zwar wegen der Fluktuation der Schülerschaft zeitaufwändig, aber wegen der damit verbundenen erhöhten Nutzbarkeit und Sicherheit (Zugriff auf die eigenen Dateien von allen PCs, zentrale Speicherung und regelmäßige Sicherung auf dem Zentralrechner) notwendig ist.

Seit ca. 14 Jahren erhalten alle Schülerinnen und Schüler unserer Schule einen eigenen Benutzerzugang zum Schulnetzwerk mit Benutzernamen und Passwort. Die neuen Fünftklässler, die zu Beginn des Schuljahres eingewiesen werden, nutzen die informationstechnologischen Möglichkeiten insbesondere im Deutsch-Unterricht, wo mit dem Internet-Leseförderungsprogramm Antolin des Schrödel-Verlags gearbeitet wird. In Klasse 5 und 7 werden alle Schülerinnen und Schüler jeweils ein halbes Jahr in den oben genannten Handlungsfeldern unterrichtet. Darüber hinaus nutzen Kolleginnen und Kollegen insbesondere in den Fächern Mathematik, Physik, Biologie, Geschichte/Politik, Religion und Englisch die auf dem Schulnetz aufgespielten Programme.


5. Pädagogische und technische Fortbildung

Unsere Lehrerinnen und Lehrer haben sich bisher nur in einigen Bereichen PC-Kenntnisse erworben. Ähnlich verhält sich dies auch im Bereich der Internetnutzung und des Einsatzes von Lernprogrammen im Unterricht. Das ist insbesondere auch auf den Mangel an schulspezifischer Fortbildung zurückzuführen. Gerade im Bereich des Einsatzes Neuer Medien ist aber eine kontinuierliche, auf individuelle Kompetenzniveaus abgestimmte Fortbildung von besonderer Bedeutung. Die Fertigkeiten, die durch den Einsatz von Computern im Unterricht gefordert werden, unterliegen einem ständigen Wandel. Neue Lernprogramme kommen auf den Markt, Anwendungsprogramme werden jährlich aktualisiert, und es entstehen immer neue Möglichkeiten der Informationsverarbeitung und medialen Kommunikation im Unterricht. Das ist auch für den Schulträger von Relevanz, der selbstverständlich ein Interesse daran hat, dass die von ihm geleisteten Investitionen durch den Nutzungsgrad in der Schule gerechtfertigt sind.