Dr. Alexander Coppel (1865 – 1945)

Biografische Daten:

Alexander Coppel ist der jüngste Sohn (5 Kinder) des Solinger Ehrenbürgers Gustav Coppel
(1830-1914). Nach seiner Promotion (1896) tritt er in die (groß)väterliche Firma „Alexander
Coppel“ ein. Anlässlich des 100. Jahrestages der Firmengründung stiftet die Firma Alexander
Coppel zwei Millionen Mark für verschiedene soziale Zwecke. Von 1914 bis 1929 ist
Dr.Alexander Coppel Stadtverordneter der DDP.
Von 1915 bis 1942 ist er Mitglied des Vorstands der Solinger Synagogengemeinde. 1942 wird
er in das Ghetto Theresienstadt deportiert, dort stirbt er am 5. August 1942 an Hunger und
Entkräftung.

Erinnerung:

Der Name Coppel erinnert an die angesehenste und für die Stadtgeschichte bedeutendste
jüdische Familie in Solingen (1770-1942). Sie spielte nicht nur im Leben der
Synagogengemeinde eine herausragende Rolle, sondern gleichermaßen im gesellschaftlichen,
wirtschaftlichen und politischen Leben der Stadt. Der Name Dr. Alexander Coppel bietet die
Chance zur kritischen Auseinandersetzung mit der lokalen Geschichte und lädt mit seinem
Aufforderungscharakter immer wieder zur Spurensuche ein und ist somit dauerhaftes Ziel und
auch Ausdruck aktiver Erinnerungspädagogik.

Ehrung:

Der Name Dr. Alexander Coppel ehrt einen gesellschaftlich und sozial engagierten
Unternehmer und geachteten Solinger Bürger, gleichermaßen eine Familie (Ehrenbürger
Gustav Coppel), die sich in ihrem sozialen Engagement, das sich in wenigen Sätzen kaum
umreißen lässt, stets dem Gemeinwohl verpflichtet sah. Große Teile des Firmengewinns sind
immer wieder für wohltätige Zwecke verwendet worden und zwar vornehmlich für soziale,
schulische oder gesundheitsfördernde Einrichtungen (Coppelstift) – Spendengelder, die auf
die heutige Zeit bezogen mit zweistelligen Millionenbeträgen zu beziffern wären.
Der Leitspruch der Familie lautete: „Glücklich machen heißt glücklich sein!“

Mahnung:

In Erinnerung an die nachweislich 62 Solinger Holocaust-Opfer wird der Name Dr. Alexander
Coppel stets eine stille Mahnung sein. Dr. Alexander Coppel wurde am 20. Juli 1942 nach
Theresienstadt deportiert. Dort starb er am 05. August infolge Hungers und Entkräftung. Seine
Leiche wurde verbrannt, die Asche in einer Pappschachtel in die Eger geworfen. Die
‚Rheinische Post‘ berichtet am 27. 09. 1947 wie folgt:
„Von den in die KZ verschleppten jüdischen Mitbürger sind 40 nicht nach Solingen zurück
gekehrt, unter ihnen ein Mann, dessen Name zu den geachtetsten gehört, die jemals in
Solingen ausgesprochen wurden: Dr. Alexander Coppel“.

Der Name Dr. Alexander Coppel erinnert gleichermaßen an den Rassenwahn der
Nationalsozialisten, dem die Firma und weitere Familienmitglieder persönlich zum Opfer
fielen:
Dr. Alexander Coppels Schwägerin Sophie (1875-1951) emigriert bereits 1934 zusammen mit
ihrem Sohn Heinz (1898-1947) und dessen Familie in die Schweiz. 1936 wird die Firma Coppel
arisiert. Alexanders ältester Bruder Carl Gustav (*1857), der seit 1920 in Düsseldorf lebt,
nimmt sich am 25. September 1941 das Leben. Carl Gustavs Tochter Anna stirbt 1942 im KZ
Ravensbrück.
Die Nationalsozialisten wollten die Juden vernichten und jede Erinnerung an sie auslöschen.
So untersagte 1936 der damalige Oberbürgermeister Otto die Benutzung des Namens
„Coppelstift“, ein Akt der Ausgrenzung und Verunglimpfung, dem durch die Namengebung als
stete Erinnerung entgegenzutreten ist.

Solingen – „Stätte des Glückes“:

Dr. Alexander Coppel ist nicht emigriert. Auch nach 1938, nachdem infolge der Pogromnacht
Diskriminierungen und antisemitische Übergriffe verstärkt zunahmen (Alexander Coppel
musste ab Nov. 1938 den unter Zwang gewählten neuen Vornahmen „Gideon“ tragen), blieb
Dr. Alexander Coppel in seiner Heimatstadt und bemüht sich als letzter Vorsteher der
Synagogengemeinde um das Wohl der noch in Solingen verbliebenen letzten
Gemeindemitglieder. Wie sehr Dr. Alexander Coppel sich mit Solingen verbunden fühlte und
welche Liebe er seiner Heimatstadt entgegenbrachte, markieren folgende Zeilen aus seinem
Abschiedsbrief:
„Ich bin dem Montag, den 20.ds., abgehenden Transport nach Theresienstadt in Böhmen
zugeteilt. Mit der Möglichkeit hatte ich nie gerechnet, dass ich die Stätte des Glückes, an der
meine Eltern seit ihrer Eheschließung 1836 gewohnt, und an der auch ich geboren bin, vor
meinem Tode verlassen müsste. Sie ist mein Heiligtum. Ich gehe einen schweren Gang, aber
ich weiß, mein Gott, auf den ich vertraue, verlässt mich nicht. Das macht mich stark Ich habe
ein reiches und schönes Leben genossen. Es war Freude an der Arbeit und am Schönen, und
kein Zweifel besteht, dass der gute Name unseres Hauses auch heute noch in voller Geltung
ist. Unzählige Menschen guter Art und von Bedeutung habe ich etwas sein, einer
unabsehbaren Zahl von Bedürftigen helfen und mich selbst auf edler Stufe bis zum heutigen
Tage immer weiterbilden und verinnerlichen können.

Schulprogramm:

Das Wirken der Familie Coppel entspricht in hervorragender Weise unserem Schulmotto,
welches unserem Schulprogramm vorgestellt ist. Dort heißt es:
„Ich übernehme Verantwortung für mich und meine Umgebung“. Seit dem Jahr 2013 darf sich
unsere Schule „Schule ohne Rassismus“ nennen. Eine programmatische Bezeichnung, die dem
Wirken der Familie Coppel für Toleranz und Verständigung in besonderer Weise entspricht.

Versöhnung:

Unsere Schule hat im Jahr 1987 die Patenschaft über den jüdischen Friedhof übernommen.
Die Familiengrabstätte Gustav Coppel (eine Inschrift erinnert an DR. Alexander Coppel, der
hier hätte begraben werden sollen) sowie alle weiteren Grabstätten der großen Coppel-

Familie werden seit dem Jahre 1988 von der Arbeitsgemeinschaft Jüdischer Friedhof gepflegt.
Der Name Coppel wurde durch die Kontakte der AG Jüdischer Friedhof in die Stadt Solingen
zurückgeholt, noch heute unterhält die AG einen Briefkontakt zu Nachfahren der Familie.
Die Namengebung ist ein deutliches Zeichen und Ausdruck aktiver Versöhnungsarbeit über
die Jahre und Gräber hinweg.

Toleranz, Integration:

Der Name Dr. Alexander Coppel steht für die ehemalige und in der Nachkriegszeit lange
vergessene jüdische Bevölkerung und Gemeinde Solingens, die von antisemitisch und
rassistisch eingestellten Menschen und ihren Organisationen buchstäblich ausgelöscht wurde.
Der Name einer Persönlichkeit jüdischen Glaubens bringt heute eine eindeutige
antirassistische Grundhaltung zum Ausdruck. Insbesondere in der heutigen Zeit gilt es,
rechtsextremen und fremdenfeindlichen Positionen ein deutliches Zeichen entgegen zu
setzen. Wie die Familie Coppel stets für das friedliche Zusammenleben der
Religionsgemeinschaften eintrat und sich für die Integration jüdischer Bürger in die Gemeinde
einsetzte, so mag der Name Dr. Alexander Coppel auch ein Symbol sein für die Integration
aller Schülerinnen und Schüler unserer Schule, gleich welcher Herkunft und Religion.
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Quellen:
Bramann, Wilhelm: Coppel – Geschichte einer jüdischen Familie in Solingen. 1770-1942,
Solingen 1994.
Korrespondenz der AG Jüdischer Friedhof
Stadtarchiv Solingen